Synästhesie:

Zusammenfassung:

Synästhesie ist keine Erkrankung, sondern eine psychologisch-neurologische Besonderheit.

Synästhesie ist eine seltene neurologische Disposition, die bei rund 2000 Menschen einmal auftritt, es gilt also ein Verhältnis von ca. 1:2000. Bei Synästhetikern löst ein Sinnesreiz neben der normalen Wahrnehmung unwillkürlich zusätzliche Empfindungen in einer oder mehreren Sinnesempfindungen aus. Theoretisch sind derartigen Verbindungen zwischen allen fünf Sinnesbereichen möglich, die häufigste Form ist jedoch das "coloured hearing". Hierbei werden Töne, Musik oder Sprache zeitgleich mit Farben erlebt.

Definition:

Der Begriff Synästhesie entstammt dem Griechischen syn= zusammen und aisthesis= Empfindung. Bei der häufigsten Form der Synästhesie werden Gehörtes oder Gesehenes wie z.B. Sprache, Musik oder Geräusche unwillkürlich zusammen mit Sekundärempfindungen, sog. "Photismen" wahrgenommen. Diese Photismen können in Farben, geometrischen Formen oder Farbmustern bestehen. Der primäre Auslöser, also Wahrnehmungen über das Ohr und die optischen Sekundärempfindungen werden dabei als Einheit erlebt. Die Synästhesien sind außerdem individuell einzigartig, sie werden also von jeder betroffenen Person anders erlebt.

Ich “leide” an folgender Synästhesie:

Bei dem Wort “Auto” rieche ich sofort “Vanille”. Unabhängig, ob ich mir die Nase zuhalte oder nicht - ich rieche es. Es spielt dabei auch keine Rolle, ob ich an ein Auto denke, an das Wort “Auto” denke, zu mir einer “Auto” sagt oder ich eines (bewußt) sehe. Das Ergebnis lautet immer: Vanillegeruch.

Ich sehe die Buchstaben “A” als blau und “Y” als grau.

Beispiel:

Oben, wie es jeder sieht ohne Synästhesie
Unten, wie ich es sehe. Dabei ist das “A” und “Y” “greifbar” bzw. leicht plastisch.

Damit es jeder versteht: Für mich sehen oben beide Texte komplett identisch aus...

Außerdem empfinde ich Geräusche und Gefühle als Farben und Formen.

Einige Beispiele:

Das Zuknallen einer Autotüre.

Wenn jemand (oder ich selbst) lacht.

Wenn ich Kopfschmerzen habe.

Für Synästhesien gelten die folgenden Merkmale:

  • sie sind schwer lokalisierbar
  • sie werden als reale Erscheinungen erlebt
  • sie sind individuell einzigartig so wie eine Handschrift oder ein Fingerabdruck
  • sind nicht umkehrbar (one-way-Effekt), so ruft z.B. der Buchstabe “A” jedesmal ein bestimmtes Blau hervor, aber nicht jedes Blau ruft ein “A” hervor
  • prägen sich dem Gedächtnis ein, die Synästhesien, also z.B. Farben beim Hören können besser erinnert werden als der Stimulus, der auslösende Reiz, also Geräusche oder Töne
  • identitätsstiftend
  • sind konsistent über lange Zeit, die Synästhesien bilden ein "inneres Lexikon"
  • geschehen unwillkürlich
  • gleichen eher Empfindungen als einem Gedanken 

Mit Synästhesie korrelierende Eigenschaften:

Individuell unterschiedlich scheint sowohl die konkrete Ausprägung der synästhetischen Mitempfindung als auch ihre Bedeutung für das alltägliche Denken und Fühlen der synästhesiebegabten Menschen zu sein. In Interviews mit Synästhetikern zeichneten sich folgende Besonderheiten des Phänomens ab:

  • Linkshändigkeit
  • Hypermnesie, überdurchschnittliche bis außergewöhnliche Gedächtnisleistungen, wie z.B. das Merken von Zahlenkombinationen (Telefonnummern o.ä.) über Farbkombinationen
  • Hypersensitivität, intensives Erleben, sensibles Gleichgewicht aufgrund des intensiven Erlebens, besteht bereits in alltäglichen Situationen die Gefahr einer Reizüberflutung